Neuen Yogawillen

Der freie Atem Prozess

Die freie Atemübung kann von jedem Menschen gefahrlos praktiziert werden. Im Neuen Yogawillen kommen viele Übungen zum Einsatz, die von ihrer Ausführung her an die klassischen Yogaübungen im Hatha-Yoga erinnern. Allerdings werden die Übungen mehr mit dem Ziel zu einer Schulung der Beobachtung des Atmes und zur Bewusstseinsbildung eingesetzt. Auf Pranayamatechniken wird im Neuen Yogawillen vollständig verzichtet.

Die Atmung ist bei jeder einzelnen Indivitualität auf verschiedene Weise mit Qualitäten und Rhythem, Stärken und Schwächen angelegt Mit jeder Einatmung und Ausatmung wirken verschiedene, aus dem Raum kommende Bewegungen zusammen. Je nachdem, wie der Mensch bewusst und auch unbewusst am Atemleben teilnimmt, nimmt er an der Außenwelt teil. So wie der Atemprozess den Menschen unbewusst erreicht, trägt dieser die Vergangenheit an den Menschen heran. Unbewusst organisiert sich fast immer im Leben der Gedanke durch den Atem. Indem der Mensch diesen Prozess der Entwicklung ergreift und sich mit seinen Seelenempfindungen auseinandersetzt, entwickelt sich eine bewusste schöpferische Kraft und dasjenige, das der Mensch unbewusst als Licht aufnimmt, organisiert er nun bewusst in sich selbst was sich in einer wohlgeordneten Empfindsamkeit zeigt.

Für den freien Atem ist es nötig zu lernen, auf richtige Weise am Gedanken anzuknüpfen und ihn so wiederzugeben, wie er ist. Der Gedanke soll dabei immer aus der freien Anschauung wiedergegeben werden und nicht in Form von persönlichen Interpretationen oder aus einem selbst gemachten Verständnis heraus. Dabei ist die Konzentration jene geordnete Disziplin, die durch den Gedanken selbst entsteht, der auf richtige Weise vom Willen ergriffen wird.

Eine tiefere Verbindung zwischen Leben und Yoga

”In der Bewegung, in dem Auf und Nieder der Gliedmaßen, im dynamischen Wechselspiel von Statik und Motorik atmet ein inneres Gefühl, das in seinem seelischen Ursprung aus dem Lichte des Kosmos entströmt. Indem wir die Bewegung nach dem inneren seelischen Gehalt und den verborgenen Empfindungen studieren, erleben wir den Kosmos in seinen Gesetzen und Wirkungen.“ aus Die Seelendimension des Yoga

Bei dieser sehr einfachen Betrachtung kommt den Übungen jedoch noch sehr stark die Rolle des Nutzungsaspekts zu. Allgemein sind die erlebbaren Zeitbedingungen (Zeitqualitäten) heute im Westen mehr den je durch das Prinzip des Nutzens, Benutzens, Konsumierens und Vorteilsuchens geprägt. Diese einseitigen Prinzipien des Nehmens und Verbrauchens sind die materialistischen Fallstricke unseres EGOs. Sie gehen von einem illusionären Bewusstsein oder einer krank gewordenen Geistes- und Seelenverfassung aus und sagen etwa so viel wie: “Wenn ich viel gewinnen kann, so bin ich reicher!” Obwohl dieses Prinzip der Nützlichkeit für die körperlichen Umstände eine gewisse Gültigkeit hat, so dürfen diese einseitigen und gewohnten Grundsätze nicht auf die innere seelische Welt Anwendung finden.

Über den nützlichen Aspekt hinausgehen

Wenn wir einen tieferen Zusammenhang zwischen Leben und Yogapraxis erkennen möchten, wird es nötig sein über diesen Nutzaspekt hinauszugehen und das eigentliche, innere Verhältnis näher zu betrachten. Es steht nicht die für unsere Zeit so typische Fragestellung im Vordergrund, wie sich diese oder jene Übung für den Alltag nutzen lässt, welche Übungen bei Erschöpfung gut sind und welche zu mehr Ruhe verhelfen, usw.

Heilung Oder “Selbst-heil-werden”

Die sichtbare Krankheit ist nur der Ausdruck und das Gleichniss für ein in Ungleichgewicht geratenes Körper-Seele-Geist Verhältnis. Das Menschenbild das dem Neuen Yogawillen zugrunde liegt, untergliedert sich (vereinfacht) in drei Ebenen:

  • den physischen Körper
  • das Bewusstsein oder die Seele
  • den Geist (das Selbst), das Ich oder die Individualität

Der Neue Yogawille erstrebt aus einer ganzheitlichen Sicht heraus Heilung immer auf allen diesen drei Ebenen an aus denen sich drei Therapieansätze ergeben:

  1. Therapieansatz, der sich aus den anatomischen Verhältnissen der Rückenmuskulatur ableitet:

Kräftigung des unteren Rückens und Entlastung des oberen Rückens.

  1. Therapieansatz einer Bewusstseinsbildung:

Förderung eines lebendigen Interesses und Entwicklung einer wachen Aufmerksamkeit.

  1. Therapieansatz eines geistigen Studiums:

Auseinandersetzung mit inspirierten Schriften, Meditation.

Diese drei Ansätze erfordern eine wache und zunehmende Eigendynamik des Lernenden. Während die Kräftigung der eigenen Körpermuskulatur im Rückenbereich durch eine spezielle Übungstechnik bewältigt werden kann, muss im 2. Ansatz weiterführend eine Veränderung in der Bewusstseinshaltung eintreten, die unter Umständen eine monate- bzw. jahrelange Arbeit bedeutet.

Albert Einstein sagte einmal: “Du kannst Probleme nicht mit dem gleichen Bewusstsein lösen, mit dem sie erschaffen wurden”

Therapieansatz 3 wird nicht für jeden Betroffenen in Frage kommen. Er erfordert eine hohe Bereitschaft zur inneren Aktivität, ist jedoch erfahrungsgemäß gerade bei schwierigen Krankheitsbildern von tiefgreifender Wirkung.

Es ist dabei unausweichlich, dass die Individualität klar von der äußerlichen Persönlichkeit unterschieden wird. Jede Individualität ist ihres Wortsinnes nach, durch wirkliche authentische Inhalte geprägt, während eine äußere Persönlichkeit durch das Temperament und die äußeren Lebensgewohnheiten geprägt ist. Je stärker die Individualität in der Wahrung der Ordnung vom Denken, Fühlen und zum Willen ausgeprägt ist, desto tiefer vermag sich der Mensch in seiner wirklichen Standortposition des Lebens zu gründen und er wird im wachsenden Maße befähigt, das kleinliche EGO mit seinen Ängsten zurückzulassen und den Gedanken  im Sinne von natürlichen Vorstellungen, die der Realität entsprechen, in die Mitte zu führen. Heinz Grill aus: Das Wesensgeheimnis der psychischen Erkrankungen

Neuen Yogawillens Yoga

Durch den spirituellen Lehrer und Begründer des Neuen Yogawillens, Heinz Grill erfolgte eine längst überfällige und daher notwendige Neubewertung des westlichen Yogaweges und den damit verbundenen Möglichkeiten einer kulturellen Erneuerung. Es handelt sich hierbei nicht um eine alternative Form des Yoga mit neuen Übungen oder gar Glaubenszusammenschlüssen. Sein schriftliches Werk umfasst mittlerweile mehr als 60 Titel (siehe unter Literatur eine kleine Auswahl) aus dem Bereich Ernährung, Yoga und geistige Schulung, Naturheilkunde, Pädagogik und Therapie. Der vollständig aus dem eigenen ICH schöpferisch tätig werdende Mensch lernt im Sinne der von Heinz Grill als Individuation bezeichneten Selbstwerdung, sich selbst und sein Bewusstsein frei zu gebrauchen.
Dieser Yoga ist ein Weg, der die Individuation in den Mittelpunkt stellt. Beide Pole, die Welt und der Geist sollen durch das Leben des einzelnen Menschen Verbindung miteinander finden. Autoritätsgehorsam, Lebensrückzug oder von außen auferlegte Zwänge wirken hierbei nur hinderlich und werden daher abgelehnt.

“Das Ziel des Yoga ist nicht, wie allg. in verschiedenen Schulen noch angestrebt wird, ein Erlöschen der Individualität und ein Aufgehen in der Erfahrung der kosmischen Einheit mit ihrer schweigenden Ruhe, sondern ein Bewusstwerden im Denken, Fühlen und letzten Endes in der Identität des Handelns gegenüber einer sich offenbarenden geistigen Wirklichkeit, die selbst die metaphysische Welt übersteigt”

(Heinz Grill).

Dieser neue Yogaansatz zeigt im Kern reichlich Parallelen zur Anthroposophie Rudolf Steiners und zum integralen Yoga des Sri Aurobindo. Unser zentrales Anliegen ist es, Impulse zu einer Spiritualität zu geben, welche die Materie und das Leben in der Welt nicht verneint, sondern eine Synthese von Geist und Materie, Spiritualität und Alltag ermöglicht, die sich auf künstlerische und ästhetische Weise in viele kulturelle Lebensbereiche hinein ausdrückt. Diese heute umso wichtiger werdenden Impulse führen zu mehr zwischenmenschlicher Nähe, einem bereicherten Empfindungsleben, der Versöhnung und einer größeren individuellen Kraft und selbstbestimmten Freiheit.

Die Integrale Wirklichkeit

J.W. Goethe: Eins und Alles (4. Strophe)

Es soll sich regen, schaffend handeln;
Erst sich gestaltend, dann verwandeln;
Nur scheinbar stehts Momente still;
Das Ewige regt sich fort in allen;
Denn alles muss in Nichts zerfallen;
Wenn es im Sein beharren will.

Ein Ausblick

Wir möchten uns an dieser Stelle an alle Yogalehrenden richten und insbesondere dazu ermuntern sich mit den hier gemachten Aussagen und Inhalten zu beschäftigen. Wir möchten alle Interssierten dazu einladen, mit uns darüber in einen professionellen, direkten Dialog zu treten, wie dies in Ansätzen mit Interssierten aus dem russischen Raum der Fall ist. Wir wünschen uns von tiefstem Herzen das dies noch intensiviert wird. Uns ist nicht daran gelegen, die bereits herrschende und uns alle nur trennende Konkurrenz- und Wettkampfmentalität unter einzelnen Yogarichtungen zu befördern oder hier Partei für eine bestimme Gruppe oder Organisation zu ergreifen. Es ist gerade heute nicht leicht, öffentlich auszusprechen, welche Dynamiken einige Yogasysteme und andere, gebundene Traditionen mit einseitigen Transformationsprozessen hervorbringen und gebracht haben. Die Konsequenzen, die falsch angesetzte Disziplinen haben, werden dabei von den Verantwortlichen geradezu leichtfertig beziehungsweise geradezu fahrlässig übersehen.

Der noch zaghafte, aber immer mehr stattfindende, professionelle Austausch sollte dem gemeinsamen Verständnis dienen, welches zu einem größeren, sozialen, mitmenschlichen und niveauvollen Dialog führt, damit durch diesen Austausch jede einzelne Yogarichtung (wie auch immer geartet) Kriterien und Anhaltspunkte zu einer aus ihr erwachsenden Bewusstseinsorientierung finden kann. So wünschen wir uns einen wirklichen Dialog der neue Formen der Wahrheit berührt und damit neue Entwicklungsschritte für alle eröffnen kann.